Herr Brade – ein Urgestein aus Rackwitz: „Genossenschaftler mit Leib und Seele“

(Artikel vom Mai 2010)

Fünf Kinder, fünf Enkeltöchter und bald vier Urenkel – wer kennt ihn nicht, Herrn Brade aus der Friedensstraße in Rackwitz. Wir haben ihn kennengelernt, den netten Herrn, der bald seinen 87. Geburtstag feiert und immer noch fit, aktiv und voller Lebenslust ist. Gerade erzählte er uns, dass die Genossenschaft eben bei ihm neue Fenster eingebaut hat, auch wenn er, wie er selbst sagt, diese nicht unbedingt braucht, aber er findet es schon toll, wie sich die Genossenschaft kümmert. Herr Brade selbst, Mitbegründer der Genossenschaft mit der Mitgliedsnummer 4 hat seit 1954 schließlich schon einige Baumaßnahmen an den von ihm mit errichteten Gebäuden erlebt.

„Am 23.7.1954 war es so weit, da haben wir die AWG „Rackwitz“ mit 23 Mitgliedern gegründet und direkt am gleichen Tag haben wir angefangen, die ersten Keller auszuschachten. Bei der ersten Baustelle hatten wir alle Steine sorgfältig aufgeschichtet und als wir am nächsten Tag kamen, waren sie alle weg. Wegen des Materialmangels haben wir in Leipzig ein Trümmerfeld zugeteilt bekommen, aus dem wir uns heilgebliebene Steine raussuchen durften“.  

Herr Brade wurde 1923 als letztes von sechs Kindern in Beuden geboren, hat die Volksschule besucht und ist anschließend jeden Tag zwanzig Kilometer bis nach Leipzig gefahren, um seine Lehre als Kaufmannsgehilfe machen zu können. Im LW Leichtmetallwerk Rackwitz arbeitete er sich vom Schmelzer und Gießer bis zum Leiter der Personalabteilung hoch. Nach dreißig Jahren als Personalbüroleiter ging Herr Brade schließlich in Rente und geht noch heute mit wachen Augen durch die Straßen. Neunzig Jahre alt möchte er noch werden.

Man sieht ihm schon an, dass er voller Stolz in einer von ihm mitgebauten Wohnanlage lebt. Im Laufe der Jahre ist er innerhalb der Genossenschaft mehrfach umgezogen, da sich seine Familienumstände verändert haben. Alle Kinder sind mittlerweile aus dem Haus und haben es weit gebracht.

„Wir haben hier früher sehr viel für unsere Genossenschaft getan, mit den eigenen Händen und viel Engagement, da zieht man nicht einfach so weg, da wünscht man sich, dass auch die Kinder von der damals geleisteten Arbeit profitieren und selbst eine Genossenschaftswohnung haben“.  

Es ist schon ein bisschen als ob die Zeit stehen geblieben wäre, eine beschauliche Wohnanlage, gepflegt und grün, und nette Menschen die sich gegenseitig grüßen. Und die Genossenschaft ist auch nicht aus seinem Leben wegzudenken, bis heute ist er ein aktives Mitglied.